● Wissen · EU 2023/1542

Die EU-Batterie­verordnung - endlich verständlich

Was die neue Verordnung wirklich von Herstellern, Importeuren und Händlern verlangt - ohne Paragrafen-Dschungel. In 10 Minuten weißt du, was bis wann auf dich zukommt.

Von Majid Goschka · Aktualisiert: · Allgemeine Information, keine Rechtsberatung
17.08.23
In Kraft seit
Direkt anwendbar in allen EU-Ländern
18.02.27
Digitaler Batteriepass
Pflicht für LMT, Industrie > 2 kWh, EV
5
Batterie-Kategorien
Portable, LMT, SLI, Industrie, EV
71
EU-Datenpunkte im Pass
Pflicht 2027: EV 47 · LMT 50 · Industrie 32
In Kürze
  • Eine Verordnung statt 27 Gesetze. Sie gilt direkt - niemand muss sie in nationales Recht umsetzen.
  • Jede Batterie bekommt einen digitalen Pass. QR-Code drauf, öffentliche Daten abrufbar - ab Februar 2027.
  • CO₂-Fußabdruck wird messbar, aber noch nicht jetzt. Erst Deklaration, dann Klassen A bis G, später Maximalgrenzen - Startschuss ist der noch ausstehende delegierte Rechtsakt.
  • Recycling-Anteile werden Pflicht. Ab 2031 müssen Kobalt, Lithium & Nickel zu Mindestquoten aus Rezyklat stammen.
01 · Überblick

Worum geht es?

Die Verordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien löst die alte Batterierichtlinie ab. Sie gilt für jede Batterie, die seit August 2023 in der EU in Verkehr gebracht wird - vom Knopf­zellen-Hörgerät bis zum 3-MWh-Industriespeicher.

Ziel: Batterien über den gesamten Lebenszyklus nachhaltiger machen - von der Rohstoff­gewinnung über die Herstellung bis zum Recycling. Dafür schafft die Verordnung drei neue Werkzeuge: den digitalen Batteriepass, CO₂-Deklarationen (verpflichtend erst zwölf Monate nach Inkrafttreten des noch ausstehenden delegierten Rechtsakts zur Berechnung) und Sorgfaltspflichten in der Lieferkette.

02 · Zeitplan

Die wichtigsten Fristen

Die Pflichten kommen gestaffelt, nicht alle auf einmal. Wer früh mit der Dokumentation startet, hat es 2027 deutlich leichter.

17.08.2023Tag X

Verordnung tritt in Kraft

Die alte Richtlinie 2006/66/EG wird abgelöst. Übergangs­fristen beginnen zu laufen.

18.02.2024

Grundpflichten gelten

Kennzeichnung, Information für Endnutzer, Register­pflichten - der Großteil der allgemeinen Anforderungen wird wirksam.

18.02.2025nur Basisdatum

CO₂-Fußabdruck für EV-Batterien - noch nicht anwendbar

Artikel 7 nennt dieses Datum für den Product Carbon Footprint von EV-Batterien, aber mit dem Zusatz „oder zwölf Monate nach Inkrafttreten des delegierten Rechtsakts, je nachdem was später ist“. Der Rechtsakt fehlt bis heute, ein Datum für die CO₂-Erklärung gibt es deshalb für keine Kategorie.

18.02.2027Großer Schritt

Digitaler Batteriepass wird Pflicht

Für LMT-, Industrie- (> 2 kWh) und EV-Batterien - jede Batterie braucht einen QR-Code mit öffentlich abrufbaren Daten.

18.08.2027

Sorgfaltspflichten in der Lieferkette

Unternehmen ab 40 Mio. € Nettoumsatz brauchen eine Sorgfaltsstrategie für Kobalt, Lithium, Nickel und Naturgrafit. Ursprünglich für August 2025 geplant, durch die Verordnung (EU) 2025/1561 verschoben.

2031 / 2036

Mindest-Rezyklatanteile

Neue Industrie-, EV- und SLI-Batterien müssen Mindestanteile recycelter Rohstoffe enthalten - 2036 nochmals strenger.

03 · Kategorien

Welche Batterien sind betroffen?

Die Verordnung unterscheidet ausdrücklich fünf Kategorien. Wer den Pass braucht, hängt davon ab, in welche Schublade die Batterie fällt.

📱
Portable Batterien
Smartphones, Spielzeug, Werkzeuge, Wearables. Müssen ab 2027 für Endnutzer leicht austauschbar sein.
Kein Pass
🛴
LMT-Batterien
E-Bikes, E-Scooter, E-Mopeds. "Light Means of Transport" - kleine Mobilität mit großer Bedeutung.
Pass-Pflicht
🚗
SLI
Klassische Starter­batterie für Auto und LKW.
Recycling-Quote
🏭
Industrie
Stapler, USV, stationäre Speicher (BESS), Telekom.
Pass > 2 kWh
🔋
EV
Traktionsbatterien für Pkw, Busse, LKW.
Volle Pflicht
04 · Das Herzstück

Der digitale Batteriepass

Battery Passport · EU 2023/1542
Model BP-247 · 75 kWh
ChemieNMC 811
CO₂-Fußabdrucknoch nicht anwendbar
Rezyklatanteilnoch nicht anwendbar
SoH98 %

QR-Code auf jeder Batterie - Daten in der Cloud

Ab Februar 2027 trägt jede betroffene Batterie einen QR-Code. Wer ihn scannt, landet auf einer öffentlichen Webseite mit allen gesetzlich vorgeschriebenen Informationen - vom Hersteller über die Chemie bis zu Leistung und Haltbarkeit. Maßstab ist die offizielle Liste der EU-Kommission: 71 Datenpunkte (Version 2.0 vom 15. August 2026). CO₂-Fußabdruck und Rezyklatanteil stehen dort im Februar 2027 noch auf „nicht auszufüllen“.

Der Pass muss mindestens 10 Jahre nach dem letzten Verkauf abrufbar bleiben - auch wenn der Hersteller insolvent geht. Dafür braucht es eine technische Infrastruktur mit interoperablen Standards (Catena-X, AAS).

  • Öffentlich zugänglich per QR-Scan
  • 10 Jahre Mindestverfügbarkeit
  • Drei Zugriffsebenen je nach Rolle
Öffentlich

Für alle

Hersteller, Modell, Kapazität, Chemie, Sicherheits- und Recycling­hinweise; der CO₂-Footprint, sobald er anwendbar ist.

Fachleute

Werkstätten & Recycler

Demontage­anleitungen, Materialzusammensetzung, Diagnose-Schnittstellen.

Vertraulich

Behörden

Vollständige Lieferketten­daten, Nachweise zu Konflikt­rohstoffen.

Welche Dokumente diese Ebenen tragen - und warum nur drei davon selbst im Pass stehen - erklärt Welche Nachweise der Batteriepass verlangt.

05 · CO₂

Dein CO₂-Footprint wird messbar

Hersteller werden pro Modell deklarieren müssen, wie viel CO₂ eine Batterie über ihren Lebens­zyklus verursacht - von der Mine bis zum Werkstor. Heute gilt das für keine Kategorie: Der delegierte Rechtsakt zur Berechnung ist nicht erlassen, und die Kommission führt das Feld im Batteriepass für Februar 2027 als „nicht auszufüllen“.

Klassen A – G

Ähnlich dem Energie­label am Kühlschrank - aber erst nach der Deklaration, über einen eigenen delegierten Rechtsakt. Danach folgen Maximalgrenzen - Batterien darüber dürfen nicht mehr in der EU verkauft werden.

A
B
C
D← z. B.
E
F
G

Die Basisdaten dieser drei Stufen, die Klausel „je nachdem was später ist“ und der Rechenweg in kg CO₂e pro kWh stehen im Leitfaden CO₂-Fußabdruck der Batterie.

06 · Rezyklat

Recycelt statt neu abgebaut

Ab 2031 müssen neue Industrie-, EV- und SLI-Batterien Mindestanteile recycelter Rohstoffe enthalten. 2036 steigen die Werte weiter.

Kobalt
2031
16 %
2036
26 %
Lithium
2031
6 %
2036
12 %
Nickel
2031
6 %
2036
15 %
Blei
2031
85 %
2036
85 %
07 · Sorgfalt

Sorgfaltspflichten in der Lieferkette

Ab 18. August 2027 brauchen Hersteller ab 40 Mio. € Nettoumsatz eine dokumentierte Sorgfalts­strategie nach OECD-Leitfaden - für Kobalt, Lithium, Nickel und Naturgrafit.

01
Risiken identifizieren
Menschenrechte, Umwelt, Korruption in der gesamten Lieferkette systematisch prüfen.
02
Maßnahmen ergreifen
Risiken minimieren - Lieferanten wechseln, Audits einleiten, Trainings durchführen.
03
Jährlich berichten
Veröffentlichter Report, geprüft durch eine unabhängige dritte Partei.

Ursprünglich war der 18. August 2025 vorgesehen; die Verordnung (EU) 2025/1561 hat den Geltungsbeginn auf den 18. August 2027 verschoben. Im Batteriepass verlangt die Kommission den öffentlichen Sorgfaltsbericht ab August 2027. Anwendungsbereich, Anhang X und der Bezug zum Batteriepass stehen im Leitfaden Sorgfaltspflichten in der Lieferkette.

08 · Sammlung

Sammel- & Recyclingquoten steigen

Die EU hebt die Sammelquoten schrittweise an - gemessen am Gewicht der pro Jahr verkauften Batterien.

Portable Batterien
73 %2030
45 % (2023) → 63 % (2027) → 73 % (2030)
LMT-Batterien
61 %2031
51 % (2028) → 61 % (2031)
SLI-Batterien
85 %2030
61 % (2027) → 85 % (2030)
09 · Sanktionen

Was passiert bei Verstößen?

!

Bußgelder im sechs­stelligen Bereich

Die Verordnung verlangt „wirksame, verhältnismäßige und abschreckende" Sanktionen. In Deutschland regelt das Batterierecht-Durchführungsgesetz (BattDG) die konkreten Beträge - pro Verstoß sind sechsstellige Summen möglich.

  • Fehlender oder unvollständiger Batteriepass nach Februar 2027
  • Falsche oder fehlende CO₂-Deklaration, sobald diese Pflicht gilt
  • Fehlende Registrierung im nationalen Hersteller­register
10 · Quellen

Quellen & Weiterlesen

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