● Wissen · 07 Einordnung

Digitaler Produktpass: Der Batteriepass ist der erste.

Die EU führt mit der Ökodesign-Verordnung (ESPR 2024/1781) den Digitalen Produktpass (DPP) für ganze Produktkategorien ein - von Textilien bis Stahl. Den Anfang macht die Batterie: Der digitale Batteriepass nach Verordnung 2023/1542 ist ab dem 18. Februar 2027 der erste gesetzlich verpflichtende DPP. Wer ihn baut, baut die Blaupause für alles, was folgt.

Lesezeit ca. 9 min · Aktualisiert: · Keine Rechtsberatung
Nr. 1
Erster Pflicht-DPP
Der Batteriepass ab 18.02.2027
2024/1781
ESPR in Kraft
Ökodesign-Verordnung seit 18.07.2024
6+
Produktgruppen
Priorisiert im ESPR-Arbeitsplan 2025
1 QR
Datenträger
Ein Scan, rollenbasierte Datenebenen
In Kürze
  • Der DPP ist ein EU-weites Konzept. Die Ökodesign-Verordnung (ESPR 2024/1781) macht den Digitalen Produktpass zum Standardinstrument für nachhaltige Produkte - Produktgruppe für Produktgruppe.
  • Die Batterie macht den Anfang. Der digitale Batteriepass nach Verordnung 2023/1542 ist ab dem 18.02.2027 der erste verpflichtende DPP - noch vor Textilien, Stahl und allen anderen.
  • Die Architektur ist dieselbe. Eindeutige Kennung, QR-Code als Datenträger, rollenbasierter Zugriff, dezentrale Datenhaltung - was der Batteriepass heute umsetzt, schreibt die ESPR morgen weiteren Branchen vor.
  • Wer jetzt baut, baut doppelt. Eine saubere Batteriepass-Infrastruktur ist zugleich die DPP-Infrastruktur für kommende Produktgruppen - Datenmodell, Serialisierung und Zugriffslogik sind wiederverwendbar.
01 · Grundlage

Was ist ein Digitaler Produktpass?

Ein Digitaler Produktpass (DPP) ist ein strukturierter Datensatz zu einem einzelnen Produkt, abrufbar über einen Datenträger - in der Praxis einen QR-Code - direkt am Produkt. Er beantwortet die Fragen, die bisher in PDFs, Zertifikatsordnern und Lieferanten-Exceln verstreut waren:

1
Was steckt drin?

Materialien, kritische Rohstoffe, Schadstoffe, Rezyklatanteile und der CO₂-Fußabdruck - maschinenlesbar statt als loses Dokument.

2
Wo kommt es her?

Herstellungsort, Wirtschaftsakteur, Konformitätsnachweise und Sorgfaltspflichten in der Lieferkette - nachvollziehbar für Marktüberwachung und Einkauf.

3
Was passiert danach?

Reparatur, Demontage, Second Life und Recycling - die Daten, die die Kreislaufwirtschaft braucht, wandern mit dem Produkt mit.

Rechtsgrundlage ist die Ökodesign-Verordnung (ESPR) 2024/1781, in Kraft seit dem 18. Juli 2024. Sie definiert den DPP als Rahmen - welche Produktgruppe wann und mit welchen Datenfeldern folgt, legt die Kommission per delegierten Rechtsakten fest.

02 · Vorreiter

Warum der Batteriepass der erste DPP ist

Die Batterieverordnung 2023/1542 war schneller als die ESPR: Sie schreibt in Artikel 77 bereits einen vollständigen Produktpass vor - mit eindeutiger Kennung, QR-Code und rollenbasierten Datenebenen. Damit ist der Batteriepass der erste gesetzlich verpflichtende Digitale Produktpass der EU und der Praxistest für das gesamte DPP-Konzept:

17.08.2023

Batterieverordnung 2023/1542 in Kraft

Die EU beschließt den digitalen Batteriepass - Jahre bevor die ESPR den DPP-Rahmen für andere Produkte schafft.

18.07.2024

ESPR 2024/1781 in Kraft

Die Ökodesign-Verordnung verankert den Digitalen Produktpass als Standardinstrument für nahezu alle physischen Produkte im EU-Binnenmarkt.

16.04.2025

Erster ESPR-Arbeitsplan

Die Kommission priorisiert die ersten Produktgruppen - darunter Textilien, Eisen und Stahl, Aluminium, Möbel, Reifen und Matratzen.

18.02.2027Stichtag

Der erste Pflicht-DPP geht live

Jede EV-, LMT- und Industriebatterie über 2 kWh braucht einen digitalen Batteriepass mit QR-Code - der DPP wird vom Konzept zur Marktrealität.

03 · Architektur

Die DPP-Architektur - im Batteriepass schon Realität

Was die ESPR als Rahmen vorgibt, setzt die Batterieverordnung bereits konkret um. Die Bausteine sind deckungsgleich:

DPP-Baustein (ESPR)Umsetzung im BatteriepassStatus
Eindeutige Produktkennung je EinheitSeriennummer nach ISO/IEC 15459, verknüpft mit Modell- und Chargendaten (Art. 77 Abs. 3)Im Batteriepass
Datenträger am ProduktQR-Code nach ISO/IEC 18004, gedruckt oder graviert - sichtbar, lesbar, dauerhaft (Art. 13)Im Batteriepass
Rollenbasierter DatenzugriffÖffentliche Ebene für alle, tiefere Ebenen für Recycler, Marktüberwachung und Personen mit berechtigtem InteresseIm Batteriepass
Dezentrale DatenhaltungDie Daten bleiben beim Wirtschaftsakteur bzw. seinem Dienstleister - die EU betreibt nur ein zentrales Register der KennungenIm Batteriepass
Interoperabilität & offene StandardsGS1 Digital Link als URL-Struktur, Datenmodell nach DIN DKE SPEC 99100, anschlussfähig an Catena-X / AASIm Batteriepass
Aktualisierbarkeit im LebenszyklusVeränderliche Daten wie Gesundheitszustand (SoH), Reparaturen und Second-Life-Status werden fortgeschriebenIm Batteriepass

Vereinfachte Gegenüberstellung nach ESPR 2024/1781 (Kap. III) und Verordnung (EU) 2023/1542 (Art. 77, Anhang XIII). Welche Daten konkret in den Batteriepass gehören, zeigt der Leitfaden Welche Daten kommen in den Batteriepass?

04 · Ausblick

Welche Produktgruppen als Nächstes folgen

Der erste ESPR-Arbeitsplan (April 2025) benennt die priorisierten Kandidaten. Die konkreten DPP-Pflichten kommen pro Gruppe per delegiertem Rechtsakt - realistisch schrittweise ab etwa 2027/2028:

Textilien & Bekleidung
Faserzusammensetzung, Rezyklatanteil, Reparierbarkeit - einer der ersten Kandidaten des ESPR-Arbeitsplans.
Eisen & Stahl
CO₂-intensive Grundstoffe: Herkunft, Emissionsdaten und Schrottanteile werden nachweispflichtig.
Aluminium
Wie Stahl ein priorisierter Grundstoff - mit Fokus auf Energieeinsatz und Rezyklatquote.
Möbel & Matratzen
Materialien, Schadstoffe, Zerlegbarkeit und Ersatzteile für die Kreislaufwirtschaft.
Reifen
Abrieb, Lebensdauer und stoffliche Verwertung - Daten für Umwelt und Marktüberwachung.
Elektronik & ITK
Als Folgekandidat im Gespräch: Reparierbarkeit, kritische Rohstoffe und Software-Update-Zusagen.

Stand Juli 2026: Termine noch nicht final

Für die ESPR-Produktgruppen stehen die delegierten Rechtsakte noch aus - Umfang und Stichtage können sich verschieben. Fest steht nur der Batteriepass: 18. Februar 2027, ohne Übergangsfrist für Neuware.

05 · Strategie

Was das für Hersteller bedeutet

Der Batteriepass ist keine Insellösung, sondern die erste Ausbaustufe einer EU-weiten Dateninfrastruktur. Das verändert die Rechnung:

1
Einmal aufbauen

Serialisierung, QR-Ausgabe, rollenbasierte Pass-Seiten und Lieferantendaten - die Infrastruktur des Batteriepasses ist die DPP-Infrastruktur.

2
Mehrfach nutzen

Wer weitere ESPR-pflichtige Produkte im Portfolio hat, erweitert das Datenmodell - statt pro Produktgruppe ein neues IT-Projekt zu starten.

3
Früh profitieren

Einkäufer und OEMs fragen DPP-Fähigkeit schon heute in Ausschreibungen ab - ein gepflegter Batteriepass ist der Nachweis.

06 · FAQ

Häufige Fragen zum Digitalen Produktpass

Was ist ein Digitaler Produktpass (DPP)?
Ein Digitaler Produktpass ist ein strukturierter, digitaler Datensatz zu einem einzelnen Produkt - abrufbar über einen Datenträger wie einen QR-Code direkt am Produkt. Er enthält Angaben zu Materialien, Herkunft, CO₂-Fußabdruck, Reparierbarkeit und Recycling und macht sie für Verbraucher, Marktüberwachung und Kreislaufwirtschaft zugänglich. Rechtsgrundlage ist die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR 2024/1781).
Ist der Batteriepass ein Digitaler Produktpass?
Ja. Der digitale Batteriepass nach EU-Batterieverordnung 2023/1542 ist der erste gesetzlich verpflichtende Digitale Produktpass der EU. Er nutzt exakt die DPP-Architektur: eindeutige Produktkennung nach ISO/IEC 15459, QR-Code als Datenträger, rollenbasierter Datenzugriff und dezentrale Datenhaltung beim Wirtschaftsakteur.
Ab wann ist der Digitale Produktpass Pflicht?
Für Batterien ab dem 18. Februar 2027 (EV-, LMT- und Industriebatterien über 2 kWh). Für weitere Produktgruppen legt die EU-Kommission die Termine per delegierten Rechtsakten fest - der erste ESPR-Arbeitsplan von April 2025 priorisiert unter anderem Textilien, Eisen und Stahl, Aluminium, Möbel, Reifen und Matratzen. Realistisch werden diese DPPs schrittweise ab etwa 2027/2028 verpflichtend.
Welche Daten muss ein DPP enthalten?
Das legt die EU pro Produktgruppe fest. Beim Batteriepass sind es über 90 Datenpunkte aus Anhang XIII der Batterieverordnung: Materialzusammensetzung, kritische Rohstoffe, CO₂-Fußabdruck, Rezyklatanteile, Leistungs- und Haltbarkeitsdaten sowie Demontage- und Recyclinginformationen - verteilt auf öffentliche und zugriffsbeschränkte Datenebenen.
Brauche ich für den DPP eine eigene Software?
In der Praxis ja. Ein DPP verlangt eine eindeutige Kennung pro Einheit, einen dauerhaft auflösbaren Link, rollenbasierten Zugriff und aktualisierbare Daten über den gesamten Lebenszyklus - das leistet weder ein statischer QR-Generator noch eine PDF-Ablage. Wer heute eine Batteriepass-Software einführt, baut damit zugleich seine DPP-Infrastruktur für kommende Produktgruppen auf.
07 · Quellen

Quellen & Weiterlesen

Ihr erster DPP - heute schon Pflicht

Bauen Sie den ersten Digitalen Produktpass der EU - mit Batteriepasswerk.

Jeder Batteriepass aus Batteriepasswerk ist ein vollwertiger Digitaler Produktpass: eindeutige Kennung, GS1-Digital-Link-QR, rollenbasierter Zugriff - konform zu EU 2023/1542 und DIN DKE SPEC 99100, gehostet in der EU.