● Wissen · 05 Daten

Welche Daten kommen in den Batteriepass?

Der digitale Batteriepass nach EU-Verordnung 2023/1542 ist kein Etikett - er ist ein strukturierter Datensatz aus 71 offiziellen EU-Datenpunkten, von denen je nach Kategorie 32 bis 50 ab Februar 2027 Pflicht sind. Dieser Leitfaden zeigt, welche Daten hineingehören, wer sie sehen darf und wie sie über den QR-Code abrufbar werden.

Von Majid Goschka · Lesezeit ca. 10 min · Aktualisiert: · Keine Rechtsberatung
71
EU-Datenpunkte
Pflicht 2027: EV 47 · LMT 50 · Industrie 32
3
Zugriffsebenen
Öffentlich · Berechtigt · Behörden
10 J.
Verfügbarkeit
Nach dem letzten Inverkehrbringen
18.02.27
Pflicht-Start
LMT · Industrie > 2 kWh · EV
In Kürze
  • Der Batteriepass ist ein Datensatz, kein Aufkleber. Artikel 77 und Anhang XIII legen den Inhalt fest; die EU-Kommission hat ihn in ihrem Leitfaden (Version 2.0 vom 15. August 2026) in 71 nummerierte Datenpunkte gefasst. Nicht alle sind ab Februar 2027 zu befüllen - CO₂-Fußabdruck und Rezyklatanteile etwa noch nicht.
  • Nicht jedes Feld ist öffentlich. Die Verordnung staffelt die Daten in drei Zugriffsebenen: öffentlich, berechtigtes Interesse und nur für Behörden.
  • Ein QR-Code pro Einheit verlinkt den Pass. Als GS1 Digital Link, die Datenstruktur dahinter angelehnt an DIN DKE SPEC 99100 - maschinen- und menschenlesbar zugleich.
  • Die Daten kommen aus der Lieferkette. Materiallisten und Leistungswerte, später auch Rezyklatanteile und Sorgfaltspflicht-Angaben, liefern meist die Zulieferer - die Datensammlung ist der eigentliche Aufwand.
01 · Anatomie

So sieht ein Batteriepass aus

Jede pflichtige Batterie erhält ab Februar 2027 einen eindeutigen Datensatz, der über einen QR-Code auf dem Gehäuse erreichbar ist. Ein vereinfachtes Beispiel:

Battery Passport · EU 2023/1542
Model BP-247 · 75 kWh
KategorieEV-Batterie
ChemieNMC 811
CO₂-Fußabdrucknoch nicht anwendbar
Rezyklatanteilnoch nicht anwendbar

Ein Datensatz, drei Sichten

Der Pass bündelt alle Pflichtangaben eines Modells und jeder Einheit an einem Ort. Verbraucher scannen den QR-Code und sehen die öffentlichen Felder; Recycler und Behörden erhalten über eine Berechtigung tiefergehende Daten.

Der eindeutige Produktcode verweist auf eine dezentrale, interoperable Infrastruktur (Catena-X, Asset Administration Shell) - nicht auf eine PDF-Datei.

  • Eindeutige Kennung je Einheit
  • Öffentliche und geschützte Datenräume
  • Maschinenlesbar für Marktaufsicht
02 · Datenfelder

Die acht Datenkategorien aus Anhang XIII

Anhang XIII der Verordnung 2023/1542 gruppiert die Pflichtangaben in acht Blöcke. Die Spalte rechts zeigt, wer den jeweiligen Block standardmäßig einsehen darf.

DatenkategorieTypische FelderZugriff
Allgemeine Batterie- & HerstellerangabenHersteller, Batteriekategorie, Modell, Herstellungsort & -datum, Gewicht, eindeutige KennungÖffentlich
CO₂-FußabdruckNoch nicht anwendbar, zum Februar 2027 nicht auszufüllen. Später: Gesamt-Fußabdruck (kg CO₂e/kWh), Wert je Lebenszyklusphase, danach LeistungsklasseÖffentlich
Rezyklat- & erneuerbarer AnteilAnteil erneuerbarer Inhalte (Pflicht); recycelter Anteil an Kobalt, Lithium, Nickel und Blei erst mit Art. 8 (Dokumentation ab August 2028)Öffentlich
Leistung & HaltbarkeitNennkapazität, Innenwiderstand, Energiewirkungsgrad, erwartete Lebensdauer, State of Health (SoH)Berechtigt
ZusammensetzungChemie, kritische Rohstoffe, gefährliche Stoffe, verbaute Zellchemie & MateriallisteBerechtigt
Demontage & SicherheitDemontageanleitung, Sicherheitsdatenblatt, Brandschutzklasse, Ersatzteil- & ReparaturhinweiseBerechtigt
Lieferketten-SorgfaltspflichtÖffentlicher Due-Diligence-Bericht zu Kobalt, Lithium, Nickel, Naturgraphit (ab August 2027)Öffentlich
Konformität & KreislaufwirtschaftKonformitätserklärung, Prüfberichte, Sammel- & Recyclingnachweise, ZertifikateBehörden

Vereinfachte Darstellung. Einzelne Felder innerhalb einer Kategorie können abweichende Zugriffsstufen haben - maßgeblich ist der Verordnungstext (Anhang XIII, Art. 77–78).

03 · Zugriffsrechte

Wer darf welche Daten sehen?

Der Batteriepass ist bewusst kein „alles-oder-nichts"-Dokument. Die Verordnung unterscheidet drei Zugriffsebenen, damit Betriebsgeheimnisse geschützt bleiben und Verbraucher trotzdem informiert sind.

Öffentlich

Für alle per QR-Scan

Allgemeine Angaben, Anteil erneuerbarer Inhalte sowie grundlegende Sicherheits- und Recyclinghinweise; CO₂-Fußabdruck, Rezyklatanteil und Sorgfaltspflicht-Bericht, sobald diese Felder anwendbar sind.

Berechtigt

Fachleute & Recycler

Personen mit berechtigtem Interesse und die EU-Kommission: detaillierte Zusammensetzung, Demontageanleitungen und vollständige Leistungs- & Alterungsdaten.

Behörden

Aufsicht & notifizierte Stellen

Marktüberwachung, notifizierte Stellen und Kommission: vollständige Prüfberichte, Konformitätsnachweise und die tiefsten Lieferkettendaten.

Welche Dokumente hinter diesen Ebenen liegen - und welche drei davon selbst Passinhalt sind statt nur Beleg - zeigt der Leitfaden Welche Nachweise der Batteriepass verlangt.

04 · CO₂-Fußabdruck

Ein prominentes öffentliches Feld, das noch nicht gilt

Der CO₂-Fußabdruck wird eines der prominentesten öffentlichen Felder. Er wird pro Modell über den gesamten Lebenszyklus berechnet und später einer Leistungsklasse zugeordnet. Heute ist er für keine Kategorie anwendbar: Der delegierte Rechtsakt zur Berechnung fehlt, und die Kommission führt die Datenpunkte #17 und #18 zum Februar 2027 als „nicht auszufüllen“. In Batteriepasswerk bleibt das Feld deshalb sichtbar als „noch nicht anwendbar“, mit Begründung; vorhandene LCA-Daten lassen sich freiwillig hinterlegen.

Klassen A – G

Vergleichbar mit dem Energielabel. Sobald die Pflicht gilt, verlangt das Feld einen verifizierten Wert - geschätzte Zahlen ohne Nachweis genügen nicht.

A
B
C
D← z. B.
E
F
G
05 · Rezyklatanteil

Recycelte Rohstoffe pro Metall

Der Pass wird je enthaltenem Metall den Anteil aus recycelten Quellen deklarieren - aber nicht schon ab Februar 2027: Die Kommission führt die Datenpunkte #20 bis #23 dann noch als „nicht auszufüllen“, sie folgen Artikel 8 (Dokumentation ab 18. August 2028). Ab 2031 gelten verbindliche Mindestwerte - der Datensatz muss den Nachweis liefern.

Kobalt
Anteil
Ziel ab 2031: 16 %
Lithium
Anteil
Ziel ab 2031: 6 %
Nickel
Anteil
Ziel ab 2031: 6 %
Blei
Anteil
Ziel ab 2031: 85 %

Mindestwerte nach Art. 8 der Verordnung. Ab 2036 steigen die Quoten weiter - der Pass muss die Herkunft der Rezyklate belegbar machen. Warum der CO₂-Wert daneben zum Stichtag 2027 noch leer bleibt, erklärt CO₂-Fußabdruck der Batterie.

06 · Datenträger

Wie die Daten an die Batterie kommen

Die Verbindung zwischen physischer Batterie und digitalem Pass entsteht über einen QR-Code auf dem Gehäuse. Er trägt eine eindeutige Produktkennung und ist als GS1 Digital Link aufgebaut - dieselbe URL ist damit sowohl für Menschen als auch für Maschinen (Marktaufsicht, Recycler-Systeme) auflösbar. Alle Details zur Kennzeichnungspflicht stehen im Leitfaden QR-Code auf Batterien ab 2027.

07 · In der Praxis

Der eigentliche Aufwand: die Datensammlung

Die meisten Pflichtfelder liegen nicht im eigenen Haus, sondern in der Lieferkette. Drei Schritte führen vom Rohdatum zum konformen Pass:

1
Erheben

Materiallisten und Leistungswerte von Zell- und Komponentenlieferanten anfragen und strukturiert erfassen; Rezyklat- und CO₂-Werte, sobald diese Felder anwendbar werden, oder schon heute freiwillig.

2
Prüfen

Werte auf Vollständigkeit und Plausibilität prüfen, Nachweise und Zertifikate verknüpfen - verifizierte Daten statt Schätzungen.

3
Veröffentlichen

Pass je Einheit serialisieren, QR-Code erzeugen und die richtigen Felder in die passende Zugriffsebene publizieren.

08 · Quellen

Quellen & Weiterlesen

Von der Datenliste zum fertigen Pass

Sieh in 90 Sekunden, welche Datenfelder für dein Produkt gelten

Der Pflicht-Check zeigt dir, welche Kategorie, Zugriffsebenen und Datenfelder konkret für deine Batterie relevant sind - und wie du die Datensammlung strukturiert startest.